Gründung der Rolandgruppe und
Beginn des Rolandsfestes

In diesem Schreiben zum Rolandsfest 2000 schildert Karl Bornträger die Ereignisse im Jahr 1955.

"Nun haben wir es, das Jahr 2000.

Noch 1949 rüttelte der Slogan: „Nordhausen baut auf“ unsere Bürger hin und her.
So vergingen die Jahre, doch die Umwandlung des Slogans „Nordhausen taut auf“ forderte nun auch auf kulturellem Gebiet mehr zu tun.

1955 luden die Handwerker zum Karnevalsball in den Ratskeller ein.
Der Höhepunkt: die Mondfahrt des Rolands mit seinen Freunden. Unter der Musik „Guter Mond, du gehst so stille“ verschwanden alle vier am Horizont, durch die runden Luken war der Kontakt mit den Besuchern immer möglich. Wenn auch bei der Bruchlandung mit einem riesigen Knall die rauchgeschwärzten Gesichter übrig blieben und dabei aller Komfort verloren ging, wurden die Blicke in die Zukunft immer heller.

Schon nach 3 Tagen gründete sich im Stadthaus die Rolandgruppe.
Der erste Beschluss, im Sommer das erste Rolandsfest zu feiern, wurde überall in unserer Stadt mit Begeisterung aufgenommen.

Selbst die Stadtväter waren mit Begeisterung dabei. Im Straßenbahnwagen in Hüschen Meyers Garten wurde weiterhin beraten.
Die Brockenhexe fasste für die Auftritte alle Texte zusammen.
Julia Grosse brauchte bald Helfer, die Menge der Kostüme wuchs mit jedem Tag mehr.
Gerhard Pfeffer war der Kopf von Seiten der Stadtverwaltung, bei dem eben alles zusammenlief.

Doch irgendwann tauchte der große Hammer auf.
Als Mitarbeiterin der SED-Kreisleitung hatte die Tochter der Familie Himmler der Presse verboten, irgendwelche Notizen über das Rolandsfest und seine Vorbereitungen zu drucken.

Missmut kam bei den Mitmachern nicht auf.
Nur war es uns zur letzten Abendsitzung im Stadthaus bewusst geworden, jetzt müssen wir handeln.
Zur Stunde, als wir zusammen kamen, schüttete der Himmel Regenmengen wie selten zuvor. Unser Beschluss – Warten bis um 12 Uhr.
Tatsächlich hatte sich das Himmelbild plötzlich geändert.
Die vielen Sterne freuten sich über uns und wir über sie.

Nun war es, wie vorher festgelegt. Um 6 Uhr morgens ging unser Hilferuf nach Berlin - zu einem Treffen pünktlich um 11 Uhr am Rathaus in Nordhausen.
Mit dem Fahrrad habe ich die notwendigen Einladungen hier verbreitet.
Pünktlich 11 Uhr hält das Gefährt mit Berliner Nummer vor der Rathaustür.
3 Männer begrüßten uns.

Aus der Menge drängte sich die Mitarbeiterin der Kreisleitung, dazu Frau Zänker vom Rat des Kreises. Sie hatten im Bürgermeistervorzimmer bereits Platz genommen, bevor wir auch auf den Beginn warteten.

Herr Ernst stand in der offenen Tür, seine Frage: „War jemand von Ihnen in Berlin?“.
Alle sahen sich fragend an.
Kurz darauf ein neuer Start: „Hat jemand von Ihnen nach Berlin geschrieben?“
Keine Antwort.
Das gleiche Spiel zum dritten Mal: „Oder hat jemand von Ihnen mit Berlin telefoniert?“.

„Ja, und das heute morgen mit unserem Präsidenten (Wilhelm Pieck).
Über alles andre werden Sie sicher gründlich unsere Freunde informieren.“

Am anderen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, mit einer Mappe unter dem Arm bekamen wir Besuch - Fritz Teichmüller.
"Noch gestern Abend hat mich die Begeisterung so inspiriert, dass ich in der Nacht den Einzug des Rolands gezeichnet habe. Nun meine ganz besondere Bitte.
Für das Jahr 2000 wünsche ich mir ein besonderes, schönes Rolandsfest. Erst dann soll dieses Bild", so unser Freund Fritz Teichmüller," an den damaligen Sieg seiner Majestät den Roland erinnern.
Für jedes Mitglied der Rolandgruppe übergib dann eine Kopie, des gleichen auch für das Stadtoberhaupt.
Und nochmals ein dreimaliges Hoch, für ein Nordhausen und für die Rolandgruppe."
Mit der Übergabe des Bildes "Einzug unseres Rolands" erfüllte er den Wunsch seines Freundes Fritz Teichmüller.